Bundesregierung erwägt verpflichtendes Norm-Design

Berlin. Die Bombe platzt zum Wochenende: Das Kabinett hat bereits auf der Sitzung am Mittwoch lange darüber beraten, für Deutschland ein standardisiertes Design für sämtliche Kommunikationsmedien einzuführen. Ziel dieser Maßnahme sollen enorme Impulse für die Wirtschaft sein. Das sogenannte Norm-Design (ND) soll für die Wirtschaft Einsparungen in Milliardenhöhe erzielen, indem die permanente Entwicklung neuer Anmutungen nicht mehr nötig sein wird. Regierunssprecher Siebert lobte den Vorstoß der Regierung: »Wir haben jetzt lange genug Moden kommen, gehen und wieder kommen sehen. Das ist wirtschaftlicher Unsinn, daher ist das Norm-Design ein großer Schritt nach vorne!«

Das Norm-Design legt zwar eine Standardschriftart, Linksbündigen Satz und eine noch zu definierende Farbpalette fest, lässt den Unternehmen aber auch Freiheiten, zum Beispiel in den Formaten. Bundeswirtschaftsminister Gabriel, SPD, stellt sich ebenfalls hinter das Norm-Design: »Wir beobachten jetzt seit sehr langer Zeit die Designwirtschaft und wir können immer noch nicht erkennen, was die Designer eigentlich genau machen. Wir brauchen aber transparente Dienstleistungen, die jeder nachvollziehen kann, daher wird zukünftig die Bundesregierung das Designgeschäft übernehmen.«

Die Designverbände beraten sich zur Stunde, ob und wie sie Stellung zum Norm-Design beziehen werden und haben sich bereits auf eine gemeinsame Schriftart einigen können.

Bild: DPA

Für eine Neuausrichtung des Designpreises der Bundesrepublik Deutschland – Petition von Daniel Hyngar

Die Fragen in Daniel Hyngars offenen Brief an den Rat für Formgebung sind bis heute nicht zufriedenstellend beantwortet worden. Bei seinen Recherchen stieß er auf eine mögliche Ursache für die Misere der deutschen Design-Awards: Es gibt derzeit keine offizielle Würdigung für Designleistungen von staatlicher Seite. Darum hat Daniel Hyngar nun eine Petition zur Neuausrichtung des Designpreises der Bundesrepublik Deutschland gestartet. Dazu gibt es diesen Kommentar im Bayrischen Rundfunk über den Betrug am Verbraucher durch die Designpreise.

Wie werden wir arbeiten? Leseprobe aus der neuen BDG Gründerfibel

Wie werden wir arbeiten?
Die Diskussion über die Zukunft unseres Berufs hat enormen Schwung aufgenommen. Einige Umrisse für die Zukunft werden erkennbar, die vor allem an diesen vier Punkten sichtbar werden:

1. Designer werden weniger in Agenturen arbeiten!
Die klassische Werbeagentur mit ungefähr 20 Mitarbeitern wird eine immer seltenere Erscheinung werden. Die Alltagsdesignjobs wie etwa das Anpassen eines Anzeigenmotivs oder die Pflege eines Katalogs werden zunehmend im Haus der Auftraggeber von Medienproduktionern übernommen. Für die Designagenturen bleibt der rein konzeptionelle Teil der Arbeit übrig. Es wird also weniger mittelgroße Agenturen geben, dafür mehr Kleinunternehmen und Einzeldesigner. Dazu wird es netzwerkartige Strukturen geben, die diese vielen kleinen Einheiten schnell und temporär verknüpfen können. Das wird neue Berufe wachsen lassen, wie zum Beispiel den des Designmanagers oder in der Designevaluation.

2. Kommunikationsdesigner werden Wege und Strukturen gestalten!
Wenn die Produktion und die serielle Umsetzung von Entwürfen aus den Händen der Designer in die Hände der Medienproduktioner wandert, wird unsere Kernkompetenz sichtbar: Wir können Strukturen erkennen, optimieren und kommunizieren. Bisher haben wir diese Fähigkeiten fast ausschließlich für Unternehmenskommunikation auf Papier oder Bildschirm verwendet. Wir werden unsere Kernkompetenzen in Zukunft jedoch in sehr viel mehr Bereichen einsetzen, zum Beispiel in sozialen Projekten oder in der Bildung. Die klassische Werbung wird sich ebenfalls stark verändern, da sie immer weniger beachtet wird. Unternehmen als Absender werden mit bezahlter Kommunikation nur dann beachtet werden, wenn sie einen relevanten gesellschaftlichen Kommunikationsbeitrag leisten. Dieser Beitrag kann zum Beispiel eine Initiative oder eine Positionierung zu einem sensiblen Thema sein. Es wird darum gehen, mit einer intelligenten Haltung verbunden zu werden, nicht mit einem simplen Kaufreiz.

3. Es wird viel mehr Anwender geben – und weniger Designer!
Die technischen Werkzeuge von uns Designern sind nahezu vollständig demokratisiert. Jeder hat Zugang zur Bildbearbeitung, jeder kann Vektorgrafiken erstellen, und jeder kann einen Film schneiden. Wir bieten also nicht mehr den exklusiven Zugang zu diesen Werkzeugen an, wie es unsere Kollegen vor 30 Jahren noch taten. Das, was wir anbieten, ist unsere Qualität der Lösungen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wenn also jeder Zugang zu den Designwerkzeugen hat, wird automatisch der Bedarf an qualitativ sehr hochwertigen Lösungen steigen, so wie es Tiefkühlgerichte und Profiköche gibt. Da die Reaktionszeiten immer kürzer werden, werden Lösungen gefragt sein, die schnell entstehen, aber einen breiten Bedeutungshorizont berücksichtigen können. Wenn jede Kommunikation das Potenzial hat, ein Unternehmen zu ruinieren, kommt den Kommunikatoren eine wichtige Rolle zu. Das begünstigt Designer mit breiter Allgemeinbildung und gesellschaftlichem Gespür. Es wird also einen Designermarkt geben für sehr hochwertige und belastbare Lösungen und einen Umsetzermarkt, der die Benutzung der Werkzeuge anbietet. Der Designermarkt wird deutlich kleiner sein als der Umsetzermarkt.

4. Der Zugang zum Designmarkt erfolgt über Bildung und Haltung!
Wenn Designer gefragt sein werden, die sich schnell in Themen eindenken können, ein breites Hintergrundwissen mitbringen und die Konsequenzen ihres Handels auf vielen Ebenen einschätzen können, dann wird sich der Zugang zu diesem Beruf stark über Bildung und Haltung regeln. Es braucht Zeit, Geld und das passende Umfeld, um diese Fähigkeiten zu erwerben. Die Ausbildung der Designer für den Designmarkt muss daher ihren Schwerpunkt von der Anwendung auf die Strategie verlegen. Diesem Anspruch in sechs Semester gerecht zu werden, wird nicht leicht sein.

Was heißt das für zukünftige Designer?

Wenn meine Vermutungen zutreffen, werden wir es mit einem Designermarkt zu tun haben, der breit ausgebildete, fähige Kommunikatoren braucht, die einen Dialog weit über Papier und Bildschirm hinaus denken können. Diese Designer werden nah an der Steuerung von Unternehmen und Projekten sitzen und müssen daher die Sprache der Steuerung und der Unternehmen verstehen und sprechen können. Diese Designer werden selbst weniger Logos gestalten oder Briefpapiere setzen, sondern den Korridor bestimmen, innerhalb dessen Entwurfsvarianten erstellt werden. Die Designer bewerten und integrieren. Sie zeichnen keine Icons, sondern Wege. Da dieser Designermarkt deutlich kleiner ist als die Summe der Designer heute, wird es einen erschwerten Zugang zu diesem Markt geben, aber auch deutlich höhere Verdienstmöglichkeiten. Die Designer, die diesen hohen Anforderungen nicht oder nicht ganz genügen, werden zusammen mit den Mediengestaltern im Umsetzermarkt ein Zuhause finden und innerhalb der vorgegebenen Korridore gestalten können.

Die Ausbildung der Designer wird sehr viel stärker den Fokus auf die Kommunikationsfähigkeiten legen müssen und weniger auf die Anwendung von Werkzeugen. Kommunikation lernt man durch das Kommunizieren, daher sollte die Ausbildung von im Beruf aktiven Designern geleitet und durch Forschung und Theorie ergänzt werden. Die Anzahl der Designabsolventen in Deutschland für diesen kleinen Designermarkt ist momentan deutlich zu hoch. Es wird also eine Spezialisierung der Hochschulen geben in Richtung Designer oder Anwender.

Wie auch immer sich unser Beruf verändern wird, wir werden ihn mit gestalten, und wir werden von dieser Gestaltung selbst geformt werden. Wir werden unser Fähigkeiten dort einsetzen, wo es geplante Kommunikation braucht. Wir werden weiter den schönsten Beruf der Welt mit Leben füllen, und dabei wünsche ich nicht nur viel Erfolg, sondern immer den richtigen Ton.

fibel06

Dieser Text ist ein Auszug aus der neuen BDG Gründerfibel von Christian Büning. Die zweite Auflage ist soeben erschienen. Mehr zur Fibel. 

Titelbild: pexels.com

Wir Designer. Gastbeitrag von Delia Valentina Fröhlich

Eine perspektivische Ergänzung zu Christian Bünings Text: «Wir sind gestört. Zur Lage der Designer in Deutschland.»
→ www.designmadeingermany.de/2015/90919

Delia Fröhlich kritisierte die Stellungnahme auf facebook, weshalb wir Sie gerne eingeladen haben, ihre Sicht der Dinge zu formulieren. Ihr Artikel ist parallel auf medium.com erschienen. Wir freuen uns auf eine anregende Diskussion.


Delia_Froehlich

Delia Valentina Fröhlich ist Kommunikationsdesign-Absolventin der HTW Berlin und Mitgründerin des BRUT Magazins sowie des BETT– Raum für Designkomparative.


 

 

Wir Designer.

Wir sind zu alt, um zu brennen und zu jung, um zu arbeiten.
Wir Designer sind gestört.

Eine perspektivische Ergänzung zu Christian Bünings Text: «Wir sind gestört. Zur Lage der Designer in Deutschland.»
→ 
www.designmadeingermany.de/2015/90919

Der Begriff «Design» öffnet parallele Realitäten. Während die einen um ihre Existenz bangen, suchen die anderen noch den — erweiterten — Sinn ihrer Tätigkeit. In wahrscheinlich keinem zweiten Beruf gehen die Definitionen, Ansprüche und Fähigkeiten so weit auseinander wie im Design. Handwerk, Wissenschaft, Autorentum … Design scheint allgegenwärtig!

Christian Büning, Diplom-Designer und derzeit Präsident des BDG, versucht in seinem Text eine Zustandsbeschreibung des aktuellen Designberufes anhand seiner persönlichen Erfahrungen und gesammelter Eindrücke seines Umfeldes. Auf der einen Seite beschreibt er eine Generation von Designern, die sich mit der Demokratisierung ihrer Werkzeuge abgefunden habe und deren Aufgabe darin bestehe, diese professionell zu nutzen. Auf der anderen Seite sieht er eine Generation von — vor allem jüngeren — Designern, deren Versuch ein übergroßes Selbstbild aufrecht zu erhalten, zu einer

weiterlesen

BDG Podium #2 und BDG Hauptversammlung in Weimar

BDG Podium #2
Nicht mehr und doch noch nicht – über Vergangenheit und Zukunft des Designberufs

Boris Kochan im Gespräch mit Julia Meer und Florian Pfeffer

Designer bewegen sich gekonnt zwischen vielen Disziplinen: Handwerk und Kunst, Technik und Wirtschaft und eine Prise Philosophie. Designer nutzen Fertigkeiten aus all diesen Bereichen, lassen sich aber keinem eindeutig zuordnen. Das macht den Beruf ausgesprochen vielfältig und anregend, aber auch schwer fassbar. Weitergehende Professionalisierung ist in einer solchen Branche eine echte Herausforderung.

Die Designhistorikerin Julia Meer zeichnet in einem Streifzug durch die Geschichte des Grafik-Designs nach, wie sich künstlerische Herkunft und wirtschaftliches Handeln auf die Entwicklung des Berufes ausgewirkt hat. Insbesondere geht sie in ihrem Vortrag der Frage nach, wie der Prozess einer Professionalisierung durch Ausbildung und Spezialisierung voran getrieben werden kann.

Im Anschluss spricht der BDG-Designer und Agenturinhaber Boris Kochan mit Julia Meer und dem Gestalter und Autoren Professor Florian Pfeffer über die veränderte Rolle des Gestalters in der Welt. Wo können sich Designer der Zukunft sinnvoll einbringen? Nicht zuletzt geht es um die Haltung der Designer – um die Haltung zu ihrer eigenen Zukunft.

Samstag, 7. November 2015, 17:00 Uhr
ehemalige Staatsbank, Steubenstraße 15, 99423 Weimar

Eintritt 12,00 Euro | Studierende 5,00 Euro | BDG-Designer kostenlos
Tickets gibt es über xing